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Radonbelastung in Deutschland: Wann Radonmessungen sinnvoll sind

von GN Bauphysik

Unter bestimmten Voraussetzungen kann sich Radon in der Raumluft sammeln und eine gesundheitsgefährdende Belastung darstellen. Doch wo kommt Radon überhaupt vor, warum ist es so gefährlich, was ist der Grenzwert für Radon in der Raumluft und wie wird die Belastung gemessen? Und was bedeuten die Strahlenschutzverordnung und das Strahlenschutzgesetz für Arbeitgeber?

Was ist Radon und warum ist es gefährlich?

Radon ist ein radioaktives Edelgas, welches beim Zerfall von Uran und Thorium entsteht, die in Spuren im Erdreich vorhanden sind. Das Strahlenschutzgesetz und die Verordnung beziehen sich nur auf das Radon Isotop R222 welches aus der Uran-Radium-Zerfallsreihe hervorgeht. Das Radon aus der Thorium-Reihe ist aufgrund seiner geringen Halbwertszeit vernachlässigbar. Aus der Bodenluft diffundiert das Radon dann in die Atmosphäre, über Undichtheiten im Keller oder undichte Rohrleitungen gelangt das Radon letztendlich auch in die Raumluft; insbesondere erdberührte Geschosse sind dabei betroffen. Unter bestimmten Voraussetzungen, dazu gehört unter anderem auch die vorhandene Geologie des Baugrunds und die Bauweise des Gebäudes, sammelt sich das Radon in gefährlichen Mengen in der Raumluft. Wird das Radon eingeatmet, zerfällt das Edelgas in der Lunge, wo die Radioaktivität eine Schädigung der Lunge bis hin zu Lungenkrebs hervorrufen kann. In europäischen Studien wurde bewiesen, dass das Lungenkrebsrisiko pro 100 Bq/m³ Radon in der Raumluft um 16 % erhöht ist (siehe Studie).

Die Radonmessung: Gibt es eine Messpflicht - und für wen gilt diese?

Aufgrund der gesundheitlichen Gefahren wurden 2013 Vorgaben zum Radonschutz auf europäischer Ebene festgelegt. Diese Richtlinie (2013/59/EURATOM) wurde in Deutschland mithilfe des Strahlenschutzgesetzes (StrlSchG) von 2017 und der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) von 2018 umgesetzt. Im Strahlenschutzgesetz und der -verordnung wurde dabei bezüglich der Radonmessung und des Radonschutzes unter anderem festgelegt:

  • Als Referenzwert für die Radonkonzentration in der Raumluft von Arbeitsplätzen und Aufenthaltsräumen wird im Jahresmittel 300 Bq/m³ im festgelegt
  • Seit dem 1. Januar 2021 müssen bundesweit alle Gebiete als Radonvorsorgegebiete ausgewiesen werden, in welchen eine Überschreitung des Referenzwertes der Radonkonzentration in der Raumluft vieler Gebäude zu erwarten ist
  • In Neubauten mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen muss der Radoneintritt über den Boden mit geeigneten Maßnahmen vermindert werden
  • Werden in Bestandsgebäuden mit Aufenthaltsräumen Maßnahmen durchgeführt, die die Luftwechselrate vermindern, so sollte ebenso geprüft werden, ob Maßnahmen zum Radonschutz machbar sind
  • An Arbeitsplätzen in Kellergeschossen und dem Erdgeschoss innerhalb eines Radonvorsorgegebietes besteht eine Messpflicht zur Bestimmung der Radonkonzentration

Somit gilt also: Es gibt für die Radonmessung eine Pflicht für Arbeitsplätze im Keller- und Erdgeschoss innerhalb von Radonvorsorgegebieten. In allen anderen Gebieten ist die Radonmessung freiwillig – sollte aber auch zur eigenen Gesundheit in Radonvorsorgegebieten in Wohnräumen und anderen Aufenthaltsräumen im Erdgeschoss und in Kellergeschossen vorgenommen werden.

Wo finden sich Radonvorsorgegebiete?

Aufgrund des geringen Radonpotenzials sind in einigen Bundesländern wie Hessen, Saarland oder Schleswig-Holstein keine Radonvorsorgegebiete vonnöten. Der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebiet ist seit dem 11.02.2021 rechtsgültig das bisher einzige Radonvorsorgegebiet in Bayern. Für die Radonvorsorgegebiete in Baden-Württemberg liegt ein Vorschlag des Umweltministeriums vor, gemäß welchem im Südschwarzwald und im Mittleren Schwarzwald Radonvorsorgegebiete ausgewiesen werden. Der Vorschlag der Radonvorsorgegebiete in Baden-Württemberg steht noch im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Diskussion.

Wann ist eine Messung der Radonbelastung durchzuführen?

Ist ein Areal als Radonvorsorgegebiet ausgewiesen, so müssen Sie innerhalb von 18 Monaten die Radonbelastungan jedem Arbeitsplatz im Kellergeschoss und dem Erdgeschoss messen lassen. Durch die Messung muss nachgewiesen werden, dass die Radonaktivitätskonzentration von 300 Bq/m³ im Jahresmittel nicht überschritten wird. Liegen die Radonwerte an den entsprechenden Arbeitsplätzen über dem Referenzwert von 300 Bq/m³, müssen Maßnahmen getroffen werden, um diese zu reduzieren. Sind diese Maßnahmen umgesetzt, so muss erneut die Radonkonzentration gemessen werden.

Wer kann Messungen von Radonwerten übernehmen?

Eine Messung der Radonbelastung kann im Bereich der Messpflicht nur durch vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) anerkannte Messstellen erfolgen. Wer freiwillig die Radonwerte im Haus misst, beispielsweise weil die privaten Wohnräume innerhalb eines Radonvorsorgebietes liegen, kann sich frei an verfügbare Experten im Bereich der Radonmessungen wenden. Bei GN Bauphysik beraten wir Sie gern und helfen Ihnen, in privaten (oder vermieteten) Aufenthalts- und Wohnräumen die Radonbelastung zu messen und zu minimieren. Nehmen Sie hierzu einfach Kontakt mit uns auf.

Kann ich auch selbst die Messung der Radonwerte durchführen?

Wie oben bereits erwähnt müssen im Bereich der Messpflicht vom BfS anerkannte Messstellen agieren. Wer freiwillig die Radonkonzentration messen möchte, kann Experten in Anspruch nehmen, die anhand von passiven oder aktiven Messungen die Radonkonzentration ermitteln. Langfristig können passive Messgeräte ausgelegt werden, die Sie 12 Monate in den meist genutzten Räumen platzieren. Diese passiven Messgeräte wie z.B. Dosimeter sind ebenfalls bei den staatlich anerkannten Messstellen erhältlich. Da die Auswertung von Dosimetern eine Auswertung unter dem Mikroskop erfordert, ist eine eigenständige Messung nicht möglich. Zusammen mit einem Fragebogen werden die Messgeräte zur Auswertung an die Messstelle gesendet. Es bleibt festzuhalten, dass eine komplett eigenständige Messung von Radon zum Strahlenschutz nicht möglich ist.

Fazit: Messungen von Radonwerten

Radon ist radioaktiv und damit eine Gefährdung der Gesundheit. Sammelt sich das Radon in der Luft, insbesondere in schlecht gelüfteten Wohn- oder Arbeitsräumen, so kann das die Lunge beschädigen und sogar das Lungenkrebsrisiko drastisch erhöhen. Daher gibt es mit der Strahlenschutzverordnung und dem Strahlenschutzgesetz nicht nur die Anordnung, dass besonders gefährdete Gebiete aus solche auszuweisen sind, sondern dass Arbeitgeber dort verpflichtet sind, im Keller- und Erdgeschoss die Radonbelastung zu messen.

Fairerweise muss auch gesagt werden: Nur, weil ein Gebiet als Radonvorsorgegebiet ausgewiesen ist, herrscht nicht in allen Häusern automatisch eine erhöhte Radonkonzentration. Genauso kann es auch in einem Areal, welches kein Radonvorsorgebiet ist, vereinzelt Häuser mit erhöhter Radonbelastung geben. Als Beispiel: Nur weil es im Durchschnitt eine höhere Radonbelastung in Baden-Württemberg gibt, heißt das nicht, dass alle Häuser in Baden-Württemberg eine schädliche Radonkonzentration in der Raumluft vorweisen. Genauso können aber in Sachsen-Anhalt oder dem Saarland, die durchschnittlich eine geringere Radonkonzentration in der Bodenluft vorweisen, einzelne Häuser den Grenzwert für Radon in der Raumluft überschreiten. Dementsprechend ist eine Radonmessung grundsätzlich anzuraten. Sie bietet mit geringem Aufwand die Sicherheit, den Nutzern und Nutzerinnen des Gebäudes nicht versehentlich zu schaden – ob es nun Ihre Familie ist oder Ihre Arbeitnehmer.

Die wichtigsten Infos zum Thema Ausweisung von Radon-Vorsorgegebieten und Messpflichten des Strahlenschutzgesetzes finden sie auch hier in unserem GN Informiert als PDF-Download.

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